Seinem Anspruch, die Kooperation der Gesundheitsberufe zu fördern, wurde der 24. Bundeskongress des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. in Hannover auch am dritten Veranstaltungstag gerecht.
Hannover. Die Fallkonferenz zur Schnittstelle Ernährungsberatung–Arztpraxis eröffnete Mario Hellbardt, Diätassistent und medizinischer Ernährungsberater, mit einem Beispiel aus seiner Praxis. Ein Adipositaspatient mit einem BMI von über 60, der auf dem Weg der Ernährungsumstellung und mit Bewegung von 180 auf 130 Kilogramm Körpergewicht abspecken will. Die Anamnese zeigt bereits mehrere Diäten und –versuche, keine mit langfristigem Erfolg.
Wenn vom Arzt eine Bescheinigung nach § 43 SGB V, vom Diätassistent ein Kostenvoranschlag vorliegt und alles von der Krankenkasse genehmigt wurde, kann der medizinische Ernährungsberater mit einer Therapie beginnen. Zwei Jahre sind normal, so Hellbardt. Es sind Gewohnheiten, die ein bisheriges Leben lang anerzogen und gepflegt wurden und nicht von einem Tag auf den anderen abgelegt werden können. „Manchmal spielen aber auch psychische Probleme eine Rolle und dann ist unser Netzwerk gefragt.“ Darin sind neben Ärzten auch Physio- und Psychotherapeuten eingebunden.
Und wo kommt die Medizinische Fachangestellte ins Spiel? Hellbardt: „Das Ausfüllen des Formulars und die Vorbereitung des Kostenvoranschlags könnten MFA übernehmen.“ Hier ließe sich auch einiges standardisieren. Voraussetzung ist natürlich, dass der Arztpraxis die Diätassistenten der Umgebung bekannt sind, ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde und man auch Bescheid weiß über Kassenzuschüsse und die Tätigkeit eines medizinischen Ernährungsberaters.
Praxisteam und Ernährungsberater sollten aber auch bei anderen Patienten am gleichen Strang ziehen, findet Hellbardt: „Beobachten Sie auch die alten Patienten. Mangelernährung ist hier nicht selten – sei es, weil der Zahnersatz nicht richtig sitzt oder weil die Sehkraft einfach zu gering ist. Wer nicht erkennt, was aufgetischt ist, mag es auch nicht essen…“
Einblicke in eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Ärztin und Mitarbeiterinnen erhielten die Teilnehmerinnen der Fallkonferenz „Die Arbeit der VERAH in der Praxis – erste praktische Erfahrungen“.
Anke Richter, Fachärztin für Innere Medizin und Melanie Friedl, Medizinische Fachangestellte, Praxismanagerin und VERAH aus Bad Oeynhausen verkörperten das, was sich Patienten und Mitarbeiter unter einem idealen Team vorstellen: Gegenseitiges Vertrauen, Wissen um die eigenen Möglichkeiten und Grenzen, Delegieren können. Melanie Friedl stellte ihre Arbeit als VERAH mit einem Fallbeispiel vor, bei der sie Aufgaben eines Pastors, Familienberaters und Sozialpädagogen übernommen hatte. Das war Anlass genug, mit den anwesenden MFA in die Diskussion zu kommen: Ist das nicht zuviel? Wo sind unsere Grenzen …
90 Minuten reichten für diese wie eigentlich für die meisten Fallkonferenzen nicht aus. Sie haben den Teilnehmerinnen aber viele Denkanstöße gegeben.
Außerdem wurden an diesem Tag unter den neuen Mitgliedern die Gewinner schöner Preise ausgelost, gab es Hinweise zu den richtigen Injektionstechniken, zur korrekten EBM-Abrechnung, zur Diagnostik bei Störungen des Bewegungsapparates beim Kleintier und, und, und.